Vom Atari zu KI-Agenten — 40 Jahre Technik, ein Reboot, und warum jetzt.

Ein Atari, der nichts konnte. Eine 6-Meter-Antenne bei Mitsubishi. Elf Jahre TIMOCOM. SEO, bevor SEO ein Begriff war. Ein Hund namens Coffee. Und irgendwo dazwischen: die Erkenntnis, dass die Maschine, mit der ich als Kind gesprochen habe, endlich wirklich antworten kann.

Der erste Computer. Und die erste Ernüchterung.

Mit zwölf bekam ich meinen ersten echten Home-Computer. Einen Atari 400XL. Ich erinnere mich an das Einschalten, an das Flimmern des Fernsehbildes, an den blinkenden Cursor. Und an den Gedanken, den ein Kind in diesem Moment natürlich hat: Ich stelle ihm eine Frage.

Ich tippte etwas ein. Drückte Enter. Und bekam: SYNTAX ERROR.

Das war die nüchterne Erkenntnis. Das Ding kann nichts. Nicht von selbst. Ich musste ihm erst alles beibringen. Damals dachte ich, das sei ein Fehler. Heute weiß ich — es war der Anfang.

Röhren, Sat-Anlagen und ein Geselle

Anfang der 90er wurde ich Radio- und Fernsehtechniker. Und ich hatte Glück. Während die Kollegen im Außendienst Fernseher durch Düsseldorfer Treppenhäuser schleppten, durfte ich zu 90 % in der Werkstatt bleiben. Geräte auf den Tisch, Rückwand auf, Signal rein, messen. Nur bei wichtigen Kunden oder wenn es um Sat- und Decoder-Technik ging, durfte ich raus.

Das größte Ding an dem ich mitgebaut habe: eine 4- bis 6-Meter-Parabol bei Mitsubishi in Ratingen. Komplett alleine mit einem Gesellen aufgebaut. Volles Band, voller Raum, Empfang vom Feinsten. Ich war stolz wie sonst was.

TIMOCOM — die geilste Zeit meines Lebens

1998 bin ich als einer der ersten Angestellten zu TIMOCOM. Erster Mann im Support. Dann Netzwerktechnik. Später Entwicklung. Am Ende Marketing. Ich habe fast alles gemacht, was man bei TIMOCOM machen konnte. Der Kern die Website, das Intranet und deren Weiterentwicklung blieb immer meins.

Wir waren das belächelte Startup. Dann waren wir Marktführer.

„Geilste Zeit meines Lebens — und es lag an den Kollegen.“

2009 habe ich ein größeres Projekt verkauft und bin gegangen. Die Flure wurden zu lang. Der Geist war weg. Manchmal merkt man das nicht an den Zahlen, sondern daran, dass man morgens anders über denselben Parkplatz läuft.

SEO, bevor es SEO hieß

In der Zeit habe ich Jon von MMOGA SEO beigebracht — in einer Zeit, in der SEO noch nicht mal ein Wort war. Wir haben uns das selbst zusammengereimt: Crawler verstehen, Content strukturieren, Backlinks verdienen, nicht kaufen.

MMOGA ist später für einen dreistelligen Millionenbetrag verkauft worden und hat den deutschen Konkurrenten Randyrun verdrängt. Ich hatte damals die Wahl: Randyrun oder MMOGA. Oder eigentlich: Deutschland oder China. Ich habe die deutsche Firma genommen. China wäre groß gewesen, zu groß für den Schritt damals.

Kanaren, Hilden, Coffee

2010 bin ich zu den Kanaren gezogen. 2012 zurück. Ich wollte eigentlich weiter — Türkei, mit einer Freundin. Hat sich nicht ergeben.

Stattdessen: Neustart in Hilden. Mit meinem Hund Coffee, der mich seit der Selbständigkeit begleitet hat. Man erzählt nicht oft von Hunden in einer IT-Biografie. Aber wer alleine arbeitet, weiß, was so ein Wesen neben dem Schreibtisch bedeutet.

Coffee — Australian Shepherd
Coffee — Kollege am Schreibtisch. 2009–2021.

Die ruhigen Jahre

Bis 2020 war alles easy. Kaum externe Kontakte, aber eine tolle Chat-WG mit Menschen, die mich und meine Arbeit an der Farmerama-Fanseite farmeramania.de über fünfzehn Jahre begleitet haben.

Fünfzehn Jahre. Das sagt sich leicht.

2025 — das Jahr, in dem drei Säulen gleichzeitig wegbrachen

2025 sind mir drei gute Einnahmequellen weggebrochen. Fast parallel. Ich stand vor dem Aus.

Was folgte, war Selbstzerstörung. Fast ein Jahr lang 12 bis 20 Stunden am Tag. Manchmal mehr. KI-Agenten. Ich kenne KI seit 2019 — ich hatte ein eigenes LLM bis zum fertigen Produkt gebracht. Die ersten Einnahmen kamen rein.

Und dann kam ChatGPT.

Der Entschluss

Ende 2025 wurde klar: In diesem neuen Markt bekomme ich keinen Fuß mehr auf den Boden ohne Kapital. Zwei, drei Jahre könnte man noch etwas verdienen, bis die Einnahmen fast ausschließlich bei den großen KI-Anbietern landen. Jedes System, das man heute entwickelt, wird von der nächsten Welle aufgefressen.

Also habe ich das Unternehmen zum 31.12.2025 eingestellt.

„Am ersten Tag 2026 ging es mir besser. Raus aus der tiefen Depression, rein in die Energie.“

Und dann die Dämpfer

Ehrlich: Es kamen dann viele Dämpfer. Ich bin aktuell nicht besonders teamfähig. Mit Menschen zu kommunizieren fällt mir schwer. Ich kann mich kaum auf eine einzige Sache konzentrieren. Der ganze Körper fühlt sich verspannt an.

Was funktioniert: Ich arbeite an mehreren Projekten parallel und beobachte, welche Systeme wirklich tragen. Das ist kein Problem — das ist sogar produktiv.

Ein Kundenauftrag ist machbar, solange der Kommunikationsbedarf begrenzt ist. Aufgabe rein, Ergebnis raus. Ich liefere immer 100 %.

Warum mich KI fasziniert

Zurück zum Atari. Zurück zu dem Kind, das eine Frage getippt und SYNTAX ERROR bekommen hat.

Vierzig Jahre später kann ich derselben Maschine eine Frage stellen, und sie antwortet. Nicht perfekt. Nicht immer wahr. Aber sie antwortet. Die Ernüchterung des zwölfjährigen Jungen hat sich — spät, aber richtig — in Staunen verwandelt.

Deshalb KI. Nicht wegen Hype, nicht wegen Geld. Weil sich ein Kreis schließt, der vor vierzig Jahren angefangen hat.

Und weil die Maschinen endlich das tun, wofür ich sie als Kind für gebaut hielt:
Nicht Befehle empfangen. Sondern zuhören.

Heute

Manchmal denke ich: Was wäre, wenn der Atari damals schon als KI geantwortet hätte?

Mein Leben wäre anders verlaufen.

Heute verstehe ich die Systeme. Morgen spreche ich mit ihnen.

Text als Ton mit KI generierten Bildern (first run unoptimzed)
Ein Bild, eine Wave, ein Prompt